Kinder- und Jugendliche waren bereits in den Anfangsjahren vor dem 1. Weltkrieg ein wichtiger Faktor des Vereinslebens. Sie besaßen zu dieser Zeit aber noch keine Stimme in der Organisation. Mit dem Ende des Krieges änderte sich das. Ein ungeheurer Zuwachs an Mitgliedern, hauptsächlich Jugendliche, war zu verzeichnen. Die jungen Mitglieder drängten auf eine angemessene Vertretung und die Führung des Gaus gab freie Bahn, Jugendgruppen zu bilden.
Im Gau Niederhessen-Südhannover lassen ich bereits 1922 organisierte Strukturen einer Naturfreundejugendgruppe nachweisen, Karl Eckerlin, später Gauobmann in Nordhessen, führte dort die Naturfreundejugend an.
Um einiges später formierte sich auch im Mittelrhein-Main-Gau die Naturfreundejugend. Ab 1924 hatte die Naturfreundejugend eine eigene Nachrichtenseite für Termine und Meinungsbeiträge. Ab 1927 bildete sich eine eigene Gaujugendleitung im Mittelrhein-Main-Gau, die regelmäßig Treffen der stetig zunehmenden Jugendgruppen organisierte. Jahreshöhepunkt waren die Gaujugendtage mit ihren Umzügen durch die ausrichtenden Ortschaften. Eine machtvolle Manifestation der Jugendgruppen, die mit über 1000 Teilnehmern einiges Aufsehen erregten.
Besonders der Gaujugendtag in Dieburg 1928 sorgte im Nachgang noch für Aufregung. Waren doch die Naturfreunde im katholisch geprägten Dieburg mit antiklerikalen Sprechchören am dortigen Kloster vorbeigezogen. Die katholische Kirche überzog daraufhin die Verantwortlichen mit einem „Gotteslästerungsprozess“ , der vor Gericht ausgetragen wurde. Das Verfahren endete schließlich wie das berühmte „Hornberger Schießen“, es kam zu keiner Verurteilung.
Die Naturfreundejugend rieb sich aber nicht nur an der Kirche und politischen Gegnern. Sie war auch innerverbandlich immer wieder für den einen oder anderen Konflikt mit den Erwachsenen gut. Da sich die Gauleitung Mittelrhein-Main politisch stark an den von der SPD vorgegebenen Maßgaben orientierte, kam es zu einigen Konflikten wie z.B. beim Einknicken der SPD bezüglich Panzerkreuzerbau (Wiederaufrüstung) und bei der Einführung des Freiwilligen-Arbeits-Dienstes (FAD). Die Erwachsenenorganisation sah im FAD die Chance, über diese subventionierten Notstandsarbeiten ihre Bauprojekte (u.a. Haus in Oberreifenberg, Lahntalhaus, Günthersmühle) vorantreiben zu können, für die Jugendlichen war es ein reiner Akt der Ausbeutung und Gängelung.


Nr. 2 / 1930

















Die Staatsmacht in ihrer ganzen Größe und Herrlichkeit.




















Männer des FAD





„Vater “ Koch und Georg Simon Naturfreunde Frankfurt)



