Lebensreform, Familie, Frauen, Kinder

Bereits in den Jahren vor dem 1. Weltkrieg finden sich Ankündigungen der Naturfreunde für spezielle Familien- und Kinderwanderungen. Viele Fotos zeigen Alt und Jung beim Wandern, bei Feiern und Mahlzeiten.
Auch in der Zeit nach dem ersten Weltkrieg waren Ausflüge im Familienverbund die Regel. Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen wurde intensiviert und als wichtige Aufgabe der Naturfreunde bei der Erziehung des „sozialistischen Menschen“ begriffen.
Das Rollenverständnis Mann-Frau blieb allerdings davon unberührt. Frauen hatten ihren Platz in den Küchen der Naturfreundehäuser und die Besetzung der Ortsgruppenvorstände behielten sich Männer vor, dort traf man auf Frauen allenfalls als Schriftführerinnen. Natürlich gab es bei den Naturfreunden der Weimarer Zeit auch eine Reihe von Frauen, die sich in den Arbeiterparteien aktiv und engagiert betätigten.
Bekannte Namen gehörten den hessischen Naturfreunden an – Johanna Kirchner (SPD-Abgeordnete und Widerstandskämpferin, Naturfreunde OG Frankfurt); Johanna Tesch (SPD-Reichstagsabgeordnete und später im Widerstand, OG Frankfurt) sowie Lore Wolf (KPD, Widerstandskämpferin, OG Frankfurt-Höchst).
Innerhalb der Naturfreunde Organisation nahm Gretel Braun, verh. Eberle eine besondere Rolle ein. Sie war zeitweise im Vorstand der Frankfurter Naturfreunde und bis 1933 Geschäftsführerin des EKA-Sporthauses der Naturfreunde in Frankfurt, Braubachstraße 9 (eröffnet Herbst 1930). Eine lebenslange Verbindung mit der Sache der Naturfreunde.
Mitte der 20er Jahre formierte sich die Naturfreundejugend in Hessen. Mit ihr kamen fortschrittliche Ideen und rebellischer Geist auch in die Naturfreundeorganisation. Die Neupositionierung des Geschlechterverständnisses war ein Hauptziel der Jugendlichen. Neben lebensreformerischen Ansätzen, brachte die Jugend mit Kursen wie „Bub und Mädel“ des Sexualtherapeuten Max Hodann eine neue Sicht auf die Rolle von Mann und Frau. Die aktive Mitarbeit von Naturfreunden bei dem damals völlig neuen sozialpädagogischen Ansatz des August Verleger im Frankfurter Westendheim unterstreicht das neue Selbstverständnis. Mit Anna Reiher (OG Offenbach) und Tilly Haller (OG Hanau) traten endlich auch zwei junge Frauen in Leitungsfunktionen der Naturfreundejugend.