Arbeiterkultur

Arbeiterkultur – ein Begriff, der vieles einschließt, aber gerade deshalb schwer in Worte zu fassen ist. Mit der Herausbildung eines eigenen politischen Bewusstseins der Arbeiterschaft und der gleichzeitig damit einhergehenden Repression durch die herrschende Klasse, setzten die organisierten Arbeiter auf eigenständige Strukturen, die ihnen die Freiräume schaffen sollten, um ihr soziales und selbst bestimmtes Leben führen zu können.
In der Realität sah dies oft nicht so positiv aus, wie es der theoretische Ansatz versprach. Das war zum einen auf den restriktiven Umgang der Obrigkeit mit den sich bildenden Arbeitervereinen, zum anderen auf die beschränkten Ressourcen des Proletariats zurückzuführen. Aber auch traditionelle Haltungen innerhalb der Arbeiterschaft behinderten eine schnelle Entwicklung neuer Lebensformen.
Ziel der Arbeiterkultur war es, sämtliche Lebensbereiche zu erfassen, d.h. die Bildung eines eigenständigen Wertekanons, der unmittelbaren Einfluss auf die Lebensweise der arbeitenden Menschen hat. Dieser „Gegenentwurf“ zum herrschenden bürgerlichen Kulturverständnis zielte auf die Förderung von Solidarität und Klassenbewusstsein, in Abgrenzung zum Bürgertum.
Zur Zielerreichung setzte man auf die Bildung von Vereinen und Organisation, die das Wissen über den Menschen, die Natur und die geschichtlichen Zusammenhänge fördern sollten. „Volksbildung“ im besten Sinne vermittelt in von den Arbeitern organisierten Vorlesungen, Seminaren, Theateraufführungen. Fotoarbeit, Sprechchorwerke und musikalische Darbietungen rundeten die kulturellen Aktivitäten ab. Als Ganzes bildete dies die eine Säule der Arbeiterkultur.
Die zweite Säule war die körperliche Ertüchtigung. Im Einklang mit der geistigen Entwicklung sollte die körperliche Entwicklung stehen und idealerweise so zum neuen sozialistischen Menschen beitragen. Dabei grenzte sich der Arbeitersport klar vom bürgerlichen „Rekordsport“ ab, indem er das Kollektiv, den Massensport in den Mittelpunkt stellte.

Die Abgrenzung zum bürgerlichen Milieu zeigte sich auch im äußeren Erscheinungsbild, was sich besonders in der Weimarer Republik in Sprache, Kleidung und Freizeitverhalten ausdrückte. Die Herausbildung eigener Fest- und Feierformen, die Einhaltung eines rituellen Kanons von wiederkehrenden Terminen wie Sonnwendfeiern, 1. Mai, oder Verfassungstag gehörte genauso zur Arbeiterkultur wie eigene Fahnen, Transparente und Parolen.

Die Naturfreunde waren und sind von allen Arbeiterorganisationen diejenige, in der sich fast alle diese Strömungen wiederfinden – ihnen nachzuspüren, macht den besonderen Reiz der Naturfreunde aus.